Wenn Pfarrer Josef Jirasek zu einem Gemeindetermin aufbricht, dann überlegt er zweimal: Nimmt er das Auto oder nimmt er das E-Bike. Diese Frage stellt er sich im Alltag – aber vor allem während der Fastenzeit. Dann nämlich beteiligt sich eine engagierte Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Brebach-Fechingen-Bliesransbach gemeinsam mit der katholischen Gemeinde am Autofasten. In der Passionszeit vom Aschermittwoch bis zum Ostermorgen lassen die Teilnehmer das Auto so oft wie möglich stehen.
Damit nimmt die Gemeinde an einer Aktion teil, die die Evangelische Kirche im Rheinland gemeinsam mit den Bistümern Trier, Mainz und Fulda, dem Erzbistum Köln und der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau auf den Weg gebracht hat. Gemeinden werden eingeladen, die eigene Mobilität und das Verhältnis zum Auto zu überdenken. „Im Grunde ist das für uns Kirchen kein neues Thema“, sagt Pfarrer Josef Jirasek. Gleich im ersten Buch der Bibel werde der Mensch daran erinnert, dass Gott ihm die Schöpfung anvertraut habe. „Das ist eine Grundlage unserer Religion“, sagt Jirasek. Und deswegen nimmt er Klimaschutz und Umweltpolitik ernst. Das Gemeindehaus hat bereits eine neue Heizung, die Lichter wurden auf LED umgestellt, Fotovoltaik für das gemeindeeigene Flach ist geplant und der Pfarrer würde gerne vor der Kirche eine Ladestation für E-Autos installieren – unter dem Motto „Auftanken für Seele und Auto“. Also habe er als Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirchengemeinde Brebach-Fechingen-Bliesransbach nicht gezögert, als es im vergangenen Jahr darum ging, die Auftaktveranstaltung des Autofastens im Saarland auszurichten.
Gespräche mit Verkehrsbetrieben
Gemeinsam mit Mitstreiterinen und Mitstreitern der evangelischen und der katholischen Gemeinde und mit den Verkehrsbetrieben gaben die Saarbrücker den Startschuss. In einem großen Bus am Gemeindehaus eröffnete Jirasek das Autofasten 2019, Vertreter der Dekanate und Kirchenkreise kamen zum Startschuss, abends schloss sich eine themenbezogene Andacht an – mit der die Fastenzeit dann offiziell begann. „Jeder entscheidet selber, wann er das Auto stehen lassen kann“, sagt Pfarrer Jirasek. Zum Beispiel gebe es da diesen Berg zwischen seinem Büro und einem Teil der Gemeinde. Und je nachdem wie der Kalender aussieht, sei es eben nicht möglich, das Auto stehen zu lassen. „Also habe ich mir für die Zeit des Autofastens vorgenommen, mindestens eine Fahrt am Tag mit dem E-Bike zu erledigen“, erzählt der Pfarrer. Andere stiegen für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern komplett auf das Fahrrad um. Teilnehmerinnen und Teilnehmer suchten das Gespräch mit den Verkehrsbetrieben, um über neue Linien ins Gespräch zu kommen. Mit Erfolg. Und ihre Erlebnisse und Erfahrungen tauschten die Teilnehmenden in regelmäßigen Gruppentreffen aus. Die Verkehrsbetriebe unterstützten die Aktion, indem sie Fahrkarten verlosten.
Zusammenarbeit mit „Fridays for future“
„Und dann entstand eine Dynamik, mit der wir selber nicht gerechnet hatten“, erzählt Jirasek. Die Jugendlichen der Bewegung „Fridays for future“ in Saarbrücken nahmen Kontakt zu der Gemeinde auf, gemeinsame Treffen wurden auf den Weg gebracht und es entstanden neue Ideen. „Die wirken nach – weit über die Fastenzeit hinaus“, sagt Jirasek. Es entstand der Wunsch, einen autofreien Sonntag auf Teilen der Autobahn bei Saarbrücken ins Leben zu rufen. Gespräche im Wirtschaftsministerium fanden statt, um das Projekt auf den Weg zu bringen. Die Autobahn entpuppte sich schließlich als zu große Herausforderung. „Aber uns wurden andere Straßenzüge in Saarbrücken vorgeschlagen für diese Aktion“, erzählt der Pfarrer. Und deswegen wollen die Autofasten-Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit den Jugendlichen weitermachen und einen gemeinsamen autofreien Sonntag in Teilen der Stadt ins Leben rufen. Auch ein Konzert ist geplant. „Um noch mal ein Gespür zu bekommen, wie schön so ein Tag ohne Autos sein kann“, sagt der Pfarrer. Sie seien keine Weltbeweger, würden auch an ihre Grenzen stoßen und auch selbst mal die beliebten Ausreden verwenden, um sich am Ende doch ins Auto zu setzen. „Aber wir können gemeinsam etwas bewegen“, ist sich der Pfarrer sicher, „an dem Ort, an dem wir leben und arbeiten.“ (resa)