Fastenwochen für einen neuen Lebensstil

Evangelische und Katholische Christen in Hilden laden in der Fastenzeit gemeinsam zu Aktionstagen ein.

Ein üppiges Frühstücksbuffet ohne Schinken und Salami, eine heitere Fahrradtour entlang des Rheins: Die Evangelische Kirchengemeinde in Hilden wird erfinderisch, wenn es ums Fasten geht. „Wir hatten in unserer Gemeinde keine eigene Fastentradition“, erinnert sich Presbyterin Inge Niewerth. Aber dann kam der Arbeitskreis „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“  auf eine Idee: Die Gemeinde könnte die Fastenwochen nutzen, einen Lebensstil zu üben, der den „geplagten Planeten Erde“ schont. Als dem Arbeitskreis dazu das Klimafasten-Material in die Hände fiel, das evangelische Landeskirchen und katholische Diözesen gemeinsam auf den Weg gebracht haben, nahm die Idee des Arbeitskreises Gestalt an. Sie knüpften Kontakt zu den katholischen Christen in der Stadt und schmiedeten gemeinsame Pläne. „Wir sind mit dem Material dann durch die Kreise und Gruppen in unserer Gemeinde gegangen und haben zum Mitmachen eingeladen“, erzählt Inge Niewerth. Und schon bei dieser Gelegenheit kam sie mit den Menschen ins Gespräch – über Ideen, die Schöpfung zu beschützen und die Rolle der Kirche und jedes Einzelnen bei diesem Unternehmen. Mehr als 200 Klimafasten-Hefte brachten die Ehrenamtlichen so unter die Menschen. „Und ich glaube, das Material hat dabei geholfen, für das Thema zu sensibilisieren“, sagt die Presbyterin.

Sechs Veranstaltungen

Während der Fastenwochen luden evangelische und katholische Christen dann zu insgesamt sechs Veranstaltungen ein. „Wir wollten klimafreundliche Ideen für den Alltag beisteuern“, erklärt die Presbyterin. Während der Auftaktveranstaltung kamen die Teilnehmer über Motivation und Themenvorschläge ins Gespräch, über Verzicht und Konsum, über religiöse Traditionen und erfülltes Leben und über ganz praktische Möglichkeiten, die göttliche Schöpfung zu bewahren. Dabei stellten die Initiatoren auch die sieben Wochenthemen vor, die über die Initiative angeboten wurden:

  1. Woche: Zeit für mich und meine Mitgeschöpfe
  2. Woche: Zeit für meinen Energiehaushalt
  3. Woche: Zeit für achtsam kochen und essen
  4. Woche: Zeit für fairen Konsum
  5. Woche: Zeit für anders unterwegs sein
  6. Woche: Zeit für ein plastikfreies Leben
  7. Woche: Zeit für gemeinsame Veränderungen

„Wir wollten mit unseren Aktionen diese Themen begleiten“, sagt Inge Niewerth. Deswegen lud der Arbeitskreis in Woche drei zum Beispiel vor dem Gottesdienst zum Frühstück ein. Rezepte wurden ausgetauscht, fleischlos gespeist und schnell kamen die Teilnehmer ins Gespräch. In einer anderen Woche luden die Initiatoren zum gemeinsamen Fahrradfahren ein. Dazu kamen ein gemeinsames Fastenessen, ein Bußgang mit den Katholiken und schließlich eine Abschlussveranstaltung zum gemeinsamen Reflektieren.

Netzwerke bilden

„Die Resonanz war leider mäßig“, erzählt die Initiatorin. Allerdings sei es ja auch die erste Auflage des Klimafastens in Hilden gewesen. „Und wir bleiben dran“, sagt Inge Niewerth. Hoffnung habe die hohe Teilnehmerzahl an den Aktionen zum Schöpfungsmonat im vergangenen September gemacht, ergänzt sie. Und es seien inzwischen schöne Netzwerke entstanden – etwa mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk, dem BUND und der Volkshochschule. Auch mit dem Fahrradclub habe man Kontakt aufgenommen. „Es gibt viele Menschen, die bei diesem Thema an einem Strang ziehen“, sagt Inge Niewerth und denkt auch an „Fridays for Future“, den heimischen Einzelhandel und den Unverpackt-Laden in der Nachbarstadt. Und deswegen sollen die Vernetzungen noch ausgebaut werden, wünscht sie sich.

Vorbildfunktion einnehmen

In diesem Jahr sind die Hildener wieder beim Klimafasten dabei – und wollen dann noch mehr Menschen für die Initiative gewinnen. Warum? „Man kann die Bewahrung der Schöpfung doch nicht nur im Munde führen, sondern auch in Händen und Füßen“, sagt Inge Niewerth, „und es ist gut, wenn auch wir als Kirchengemeinde diese Idee mit Leben füllen und Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen.“ (resa)

Mehr zum Thema
Aktion Klimafasten vor Ostern