Gebäudebedarfsplanung im Pilotkirchenkreis Jülich

Die Ergebnisse aus einem Pilotprojekt mit der Firma Moschinski Consult sind hier zusammengefasst.

Um die Treibhausgasneutralität bis 2035 gemäß dem Beschluss der Landessynode zu erreichen, entscheiden alle Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche bis spätestens 2027 auf der Grundlage insbesondere ihrer Gebäudebedarfsplanung und ihrer Finanzprognose, welche ihrer Gebäude sie langfristig benötigen. Die verbleibenden Gebäude sollen bis 2035 treibhausgasneutral ertüchtigt werden. Prof. Dr. Andreas Moschinski (Firma Moschinski Consult) hat ein Instrument entwickelt, das auf Basis von Gebäudedaten bei dieser Entscheidung hilft. In den Kirchenkreisen Köln-Nord und Jülich wurde dieses derzeit erprobt und im Pilotkirchenkreis Jülich liegen nun die Ergebnisse aus dem Pilotprojekt vor. Diese wurden in einer Online-Informationsveranstaltung am 28. November 2023 vorgestellt. Nachfolgend sind die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst.

Mit dem Synodenbeschluss zur Treibhausgasneutralität kirchlicher Gebäude bis zum Jahr 2035, stehen die Kirchengemeinden und Kirchenkreise vor großen Herausforderungen, die mit folgenden Fragestellungen einhergehen:

  1. Wer die Treibhausgasneutralität will, muss erst einmal wissen, welche Gebäude energetisch ertüchtigt werden sollen. Wie soll diese Auswahlentscheidung getroffen werden? Wie kann man diese menschlich und emotional schwierige Entscheidung objektivieren? Was geschieht mit den Gebäuden, die nicht fortgeführt werden?
  2. Wenn man dann weiß, welche Gebäude kirchlich fortgeführt werden sollen, dann muss man wissen, welche konkreten energetischen Maßnahmen individuell im Gebäude umgesetzt werden sollen. Gibt es hier ein Optimum? Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? Wie sieht es mit der Klimawirkung aus?
  3. Und zum Schluss: wenn man all dies weiß, dann stellt sich die Frage der langfristigen Finanzierung. Wie kann man all das so finanzieren, dass auch die Finanzen nachhaltig sind. Wie kann man die Finanzen so absichern, dass Freiraum für Kirche entsteht?

 

Diese drei Fragen beantwortet das Pilotprojekt, das die Landeskirche im Kirchenkreis Jülich begonnen und nun praktisch abgeschlossen hat. Auch wenn noch der Kirchenkreis Köln-Nord als weiterer Pilot für den urbanen Raum folgt, lassen sich schon jetzt die wesentlichen Ergebnisse des Pilotprojekts darstellen.

Die drei obigen Fragen stellen sich quasi zeitgleich, müssen also zeitgleich und gesamthaft beantwortet werden. Es handelt sich um ein „System kommunizierender Röhren“, bei dem das eine ohne das andere nicht sinnvoll gedacht werden kann. Man kann also nicht über die energetische Sanierung sprechen, wenn nicht zugleich deren Finanzierung mitgedacht wird. Das macht das Thema so komplex.

Das Thema ist komplex und bedarf einer ganzheitlichen Lösung.

Die Lösung liegt in drei Tools, mit denen diese Fragen analytisch und objektiviert angegangen werden:

Gebäudetool

1. Mit dem Gebäudetool werden die kirchlichen Gebäude (Pfarrhäuser, Kirchen, Gemeindezentren) in eine objektivierte Rangfolge gebracht („Scoring“). Damit – und das ist wichtig – wird die Stellung aller Gebäude relativ zu den anderen Gebäuden dargestellt. Man sieht also, wie beispielsweise die Kirche 1 relativ zur Kirche 12 steht, ob sie besser oder schlechter dasteht und welche Parameter diese Unterschiede begründen. Damit wird eine objektivierte Diskussion erleichtert. Damit lässt sich eine sachgerechte Gebäudeentscheidung auf der Grundlage objektiver Kriterien treffen.

Das Gebäudetool ermöglicht eine objektivierte Gebäudeentscheidung im Gesamtzusammenhang aller Gebäude zueinander.

Maßnahmentool

2. Aus dem Maßnahmentool lassen sich exakt die konkreten energetischen Maßnahmen ableiten, die für das spezifische Gebäude sinnvoll sind. Diese Informationen sind auf einem Blatt zusammengefasst („Management Summary“) – leichter geht es eigentlich nicht. Wer tiefer einsteigen möchte, findet alle Daten übersichtlich aufbereitet bis hin zum Exposé, das als PDF eingebettet ist.

Das Maßnahmentool kommt nur für die Gebäude in Betracht, die fortgeführt werden sollen und bei denen energetischer Handlungsbedarf besteht. Je Gebäude werden immer zwei Analysen gefertigt: eine mit dem Maßnahmenpaket „Pelletheizung“ – die zweite mit dem Maßnahmenpaket „Wärmepumpe“, auch wenn diese meist etwas teurer ist, dafür aber energetisch bestimmte Vorteile besitzt. Im Gebäudepreis sind beide Analysen enthalten.

Das Tool ist dynamisch, kann also an veränderte Förderbedingungen, sich verändernde Energiepreise und weitere Parameter angepasst werden und rechnet sich dann automatisch neu durch (z. B. wirken steigende Energiepreise fossiler Energieträger positiv auf die Wirtschaftlichkeit energetischer Maßnahmen, was sich dann rechnerisch exakt und leicht nachweisen lässt).

Insgesamt erhält das Presbyterium eine analytische und leicht zu verstehende Entscheidungshilfe:

  • welche energetischen Maßnahmen sinnvoll sind,
  • welche Förderprogramme es gibt,
  • was diese Maßnahmen einzeln und insgesamt kosten (Brutto- und Nettoinvestition),
  • was diese Maßnahmen einzeln und insgesamt energetisch bringen („Klimarendite“),
  • was diese Maßnahmen einzeln und insgesamt wirtschaftlich bringen („Wirtschaftlichkeit“),
  • wie man Maßnahmen optimiert, wenn das Geld nicht reicht: Wie kann man dennoch eine optimale Wirkung erzielen?

Mit dem Maßnahmentool erkennen wir genau, was man tun kann und was das bringt – und zwar sowohl klimatisch als auch ökonomisch.

Finanztool

3. Das Finanztool zeigt die strategische Finanzentwicklung bis zum Jahr 2041 auf. Die aktuellen Kirchensteuerschätzungen der Freiburger Studie sind eingearbeitet.

Alle relevanten Aufwendungen und Erlöse lassen sich jederzeit an neue Inflationsraten und Entwicklungen anpassen. Im Finanztool enthalten ist eine Simulation der Personale und Gebäude in Aufwand und Ertrag. Damit lassen sich die Ergebniswirkungen wegfallender Personale (z. B. durch eine Ruhestandsplanung) oder wegfallender Gebäude (z. B. durch deren Umnutzung) mit einem Klick simulieren. Die sich dadurch verändernden Finanzen werden sofort in Echtzeit bis 2041 durchgerechnet und grafisch abgebildet. Damit lassen sich kaufmännische Entscheidungen für den Kirchenkreis simulieren. Diese Simulation ist auch für mehrere Kirchengemeinden gemeinsam möglich, wenn sie Überlegungen hinsichtlich einer Fusion anstellen. Mit einem Klick lassen sich beliebige Kirchengemeinden finanziell „zusammenschieben“. Zahlreiche weitere Leistungsinhalte zur Planung und Steuerung der langfristigen Finanzen sind zusätzlich enthalten. Insgesamt bietet das Finanztool für Kirchenkreise und Kirchengemeinden zwei wesentliche Funktionen:
– sie erkennen ihre langfristige Finanzentwicklung bis 2041 und
– sie können diese Finanzentwicklung modellieren und damit nachhaltige Finanzen erreichen.

Mit dem Finanzplan wird alles auf eine solide finanzielle Basis gestellt – nachhaltig gesicherte Finanzen entspannen die kirchliche Arbeit und geben Zukunft.

Projektbewertung

Das Projekt ist insgesamt ein voller Erfolg. Es ist lösungs- und umsetzungsorientiert. Die Tools liefern objektivierte Analysen zur Lösung der anstehenden Fragen, ob sie Gebäude, energetische Maßnahmen oder die Finanzen betreffen. Die Forderungen des neuen Paragraphen 47 Wirtschafts- und Verwaltungsverordnung werden erfüllt. Auch die Belastung der Verwaltung war recht gering. Bis auf einige Arbeiten der Zulieferung von Daten (z. B. die Ergebnisrechnungen aus der Buchhaltung) wurden sämtliche Arbeiten extern erledigt. Dies hilft sehr, weil bereits heute viele Verwaltungen recht stark administrativ belastet sind. Insgesamt macht das Projekt Mut auf Zukunft. Es hilft, die anstehenden Herausforderungen so zu lösen, dass Kirche sich wieder um die Aufgaben kümmern kann, für die sie im Kern da ist. Es ist ein gutes Gefühl, sich wieder verstärkt diesen eigentlichen Aufgaben widmen zu können.

Wichtiger aber dürfte die Erkenntnis sein, dass Kirche damit ihre aktuellen Herausforderungen angeht und Raum für Zukunft schafft. Das macht Mut und schenkt Zuversicht.

Hier noch einmal der Gesamtzusammenhang:

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