Die Verantwortung für die Schöpfung ist ein zentraler Bestandteil kirchlichen Handelns. Der Kirchenkreis Essen geht deshalb neue Wege, um Energie zu sparen, Kosten zu senken und gleichzeitig die wertvollen Kirchengebäude zu erhalten. Ein zentrales Werkzeug dabei ist die KlimaApp.
Weniger heizen – mehr bewahren!
Die Reduzierung der Raumtemperatur in Kirchen bietet enormes Potenzial: Mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich Energieverbrauch, Kosten und CO₂-Emissionen deutlich senken. Doch dieser Schritt bringt auch Herausforderungen mit sich. Ein kühler Kirchenraum verändert das Raumklima, insbesondere die Luftfeuchtigkeit. Diese hat wiederum großen Einfluss auf die Bausubstanz der Kirche sowie auf wertvolle Einbauten wie Orgeln, Altäre oder Kunstwerke. Hier setzt die KlimaApp an: Sie hilft dabei, das Gleichgewicht zwischen Energiesparen und Gebäudeschutz zu wahren.
Die Idee: Klimamonitoring statt Bauchgefühl!
Auf der Klimasynode 2022 hat der Kirchenkreis Essen beschlossen, die Raumtemperaturen in Kirchen bewusst abzusenken – sowohl während der Nutzung als auch in Zeiten ohne Nutzung. Dabei stand eine zentrale Frage im Raum: Wie können wir so wenig Energie wie möglich verbrauchen, ohne Schäden zu riskieren? Die Antwort lautet: kontinuierliches Klimamonitoring. Denn entscheidend ist nicht allein die Temperatur, sondern vor allem die relative Luftfeuchtigkeit (ca. 45–70 %). Sie bestimmt maßgeblich, ob Materialien stabil bleiben oder Schaden nehmen.
Was ist die KlimaApp und welche Vorteile bringt ihre Nutzung?
Die KlimaApp ist eine webbasierte Anwendung für ein vollständig digitales und automatisiertes Klimamonitoring im Kirchenraum. Entwickelt wurde sie gemeinschaftlich von der Evangelischen Kirche in Westfalen, dem Erzbistum Paderborn, dem Kirchenkreis Essen, dem Bistum Würzburg sowie der logarithmo GmbH + Co. KG.
Die KlimaApp ermöglicht es, Klimadaten präzise zu erfassen, auszuwerten und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Die Vorteile sind vielfältig und machen die App zu einem echten Zukunftswerkzeug:
Energiesparen mit Sicherheit
- deutliche Senkung der Raumtemperatur
- gleichzeitiger Schutz vor Feuchte- oder Trockenschäden
Frühwarnsystem
- Automatische E-Mail-Benachrichtigungen bei kritischen Werten
- Hinweise, wenn es zu feucht oder zu trocken wird
Schnelles Handeln
- Direkte Reaktion durch gezielte Maßnahmen
- Unterstützung durch eine „Lüftungsampel“
Wissen schafft Zukunft
- Langfristige Speicherung aller Klimadaten
- Analyse von Trends und Entwicklungen
- Grundlage für nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen
Auch für Fachleute, etwa Orgelsachverständige, liefern die Daten wertvolle Erkenntnisse.
Was wird für das Klimamonitoring benötigt?
Die technische Ausstattung ist überschaubar und effektiv. Sie besteht aus sogenannten Datenloggern (Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit) und einem Gateway zur Datenübertragung.
Typischerweise werden pro Kirche ein Außenlogger, ein Datenlogger in der Orgel und ein Datenlogger im Kirchraum installiert. So entsteht ein umfassendes Bild des Raumklimas – innen wie außen.

Die Datenlogger sind 4 x 7,5 x 3 cm groß. Sie erfassen die Raumlufttemperatur sowie die relative und absolute Luftfeuchtigkeit und funken diese Daten alle 20 Minuten über das LoRaWAN an das Gateway.

Das Gateway hat eine Größe von ca. 12 x 12 x 3 cm (ohne Antenne). Es erfasst die gesendeten Daten und sendet sie über das Internet an die KlimaApp. Das Gateway muss dabei nicht in der Kirche stehen, da es die Daten in einem Umkreis von 800–1.000 m erfasst.
Die Daten werden dann in der KlimaApp dargestellt, siehe folgendes Diagramm:

Die gestrichelten Linien zeigen die Daten des Außenloggers. Die eingefärbten senkrechten Balken zeigen die Sonntage an, der eingefärbte Bereich in der Mitte stellt den Bereich dar, in dem sich die relative Raumluftfeuchtigkeit bewegen sollte. Es ist möglich, innerhalb des Diagramms zu zoomen, um sich bestimmte Bereiche näher anzuschauen. Zudem ist die Kommentarfunktion wichtig, um nachvollziehen zu können, ob an bestimmten Tagen beispielsweise eine Veranstaltung eine Erhöhung der Temperatur bzw. der Luftfeuchtigkeit verursacht hat.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Die Nutzung der KlimaApp im Kirchenkreis Essen zeigt, dass Klimaschutz und der Erhalt von Gebäuden Hand in Hand gehen können. Mit moderner Technik, klugen Entscheidungen und dem Engagement vieler Beteiligter gelingt es, unsere Kirchen nachhaltig zu bewahren. Die KlimaApp ist dabei mehr als nur ein Werkzeug: Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir Verantwortung übernehmen – für unsere Gebäude, unsere Gemeinschaft und Gottes Schöpfung.
Kontaktmöglichkeit im Kirchenkreis Essen:

Lisa Springborn
Klimaschutzmanagerin
EVANGELISCHEKIRCHEINESSEN
Kirchenkreis Essen
Evangelisches Verwaltungsamt Essen
Immobilienentwicklung und Gebäudemanagement
III. Hagen 39 | 45127 Essen
klimaschutz@evkirche-essen.de
Weiterführende Links zum Thema:
Klimamonitoring Evangelische Kirche von Westfalen / KK Essen:
- https://www.kircheundklima.de/temperaturabsenkung/
- EKvW – KIRCHE+KLIMA
- Die KlimaApp für Kirchengemeinden – Wir-Portal
Nachhaltig heizen in Gemeinden – Energie sparen und Klima schützen!
Bund deutscher Orgelbaumeister
Was ist hinsichtlich der Orgel zu beachten, wenn weniger oder gar nicht geheizt wird?
Niedrige Temperaturen schaden einer Orgel im Allgemeinen nicht. Länger andauernder Frost (< 0 °C) sollte aber vermieden werden. (Beispiele für ungeheizte Kirchen: Regensburger Dom, Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, Abteikirche Neresheim, Speyerer Dom)
EKiR.info Sonderausgabe Klima.Gerecht.2035:
- Kirsten Neumann
- Klimaschutzmanagerin der Evangelischen Kirche im Rheinland
- 0211/ 4562 - 233
- kirsten.neumann@ekir.de